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Quellentexte zur mittelalterlichen Burg

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Wozu man Burgen braucht ...  [1073] Nach unten

Wenn man eine Burg baut ...  [12. Jh.] Nach unten

Belagerung  [1240] Nach unten

Das Leben auf der Burg  [um 1500] Nach unten

Einsichten eines Ritters  [vor 1445] Nach unten

Wozu man Burgen braucht ...

1073.
Rede des Otto von Northeim, mit der er den Sachsenaufstand gegen König Heinrich IV. vorbereiten hilft. Gehalten auf einer Volksversammlung, die wahrscheinlich in Hötensleben, östlich von Schöningen, stattfand.

"Starke Burgen hatte er [König Heinrich IV.], wie ihr wißt, in großer Zahl an von Natur aus festen Plätzen errichtet und ziemlich bedeutende Kräfte seiner Vasallen, mit aller Art Waffen reichlich versehen, in sie gelegt. Was diese Burgen bedeuten, haben die meisten bereits erfahren, und wenn es nicht Gottes Barmherzigkeit und eure Macht verhindern, werden es bald alle wissen; denn nicht gegen die Heiden, die unser ganzes Grenzgebiet verwüstet haben, sind sie errichtet, sondern mitten in unserem Land, wo ihn niemals jemand zu bekriegen gedachte, wurden sie mit solchem Bollwerk befestigt. Euch, die ihr in der Nähe wohnt, nahmen sie mit Gewalt eure Habe und verschleppten sie in diese Burgen. Eure Frauen und Töchter mißbrauchten sie nach Gefallen zu ihrer Lust. Eure Knechte und euer Zugvieh fordern sie nach Belieben zu ihrem Dienst; ja sogar euch selbst zwingen sie, jede Last - und sei sie noch so schimpflich - auf euren Schultern zu tragen. Aber wenn ich mir in Gedanken vorstelle, was unser noch harrt, erscheint mir alles, was ihr jetzt erduldet, noch erträglich. Wenn er nämlich seine Burgen in unserem ganzen Land erst nach Gutdünken erbaut und sie mit bewaffneten Kriegern und allem übrigen Bedarf ausgerüstet haben wird, dann wird er eure Habe nicht mehr vereinzelt plündern, sondern alles, was ihr besitzt, wird er euch mit einem Schlag entreißen, wird euer Gut an Fremde geben und euch selbst, freie und adlige Männer, unbekannten Menschen als Knechte dienen heißen. Wollt ihr, tapfere Männer, das etwa alles über euch ergehen lassen?"


Aus: Brunonis Saxonicum Bellum, 25. Nach Franz-Josef Schmale (Übers.), in: Ausgewählte Quellen zur deutschen Geschichte des Mittelalters, Bd.12, Darmstadt 1974, S.222-225

Wenn man eine Burg baut ...

12. Jahrhundert.
Der Kleriker und Gelehrte Alexander Neckam legt dar, worauf bei der Anlage, dem Bau und der wehrtechnischen Ausstattung einer Burg besonders zu achten ist.

"Wenn eine Burg gehörig gebaut sein soll, so muß sie von einem doppelten Wassergraben umgeben sein. Die Natur muß einen geeigneten Ort bieten, wo Motte oder Erdwall auf felsigem Grund errichtet werden können. Wo die Natur versagt, muß Geschicklichkeit an ihre Stelle treten und eine schwere, massive Mauer aus Stein und Mörtel mit Schweiß und Mühe erstellt werden. An der Außenseite sollte aus behauenen Pfählen und Dornbüschen eine wohlgefügte Umzäunung vorhanden sein. Ein breiter Graben sollte den Zwischenraum einnehmen. Die Grundmauern sollten bis in den Schoß der Erde reichen. Die Mauer sollte innen und außen durch Pilaster abgestützt werden. An der Oberfläche sollte sie mit der Maurerkelle geglättet werden. Die Zinnen sollten in gehörigem Abstand voneinander gesetzt werden. Kleine Türme an der Mauer müssen den Hauptwohnturm oder Donjon, der am höchsten Ort und im Mittelpunkt der gesamten Anlage stehen muß, flankieren. Es darf nicht an Körben mit gewaltigen Felsbrocken mangeln, die herabgeworfen werden können, wenn die Burg hart bedrängt wird. Auf daß die Verteidiger nicht zur Übergabe gezwungen sein mögen, sollten Dinkel und Weizen, Schinken und Speck und anderes Fleisch vorrätig sein ... Man braucht eine Quelle, die nie versiegt, Schlupfpförtchen, Fallgatter und unterirdische Gänge, wo diejenigen, die Hilfe bringen, sich ungesehen bewegen können. Man braucht auch Lanzen und Katapulte, Schilde, kleine leichte Tartschen, Armbrüste, Streitkolben, Schleudern und Knüppel, Balearische Schleudern, Eisennägel, Bretter, Morgensterne und Türme, von denen Feuer auf die Belagerer geschleudert, ihre Angriffe zurückgeschlagen und ihre Absichten vereitelt werden können. Ebenfalls sollten Eisenstangen, bewegliche Schutzdächer für die Kämpfer, Körbe, schwere Schleudermaschinen und andere Maschinen vorhanden sein. Es sollten Zelter oder Reitpferde da sein und auch Streitrosse für die Ritter. Auf daß die Ritter, wenn sie in den Streit ziehen, guten Mutes seien, sollten Trompeten, Pfeifen, Flöten und Hörner angestimmt werden ..."


Zitiert nach Siemoneit, 1983, S.34f.
Nachweis im Literaturverzeichnis

Belagerung

1240.
Der Adlige Guillaume des Ormes, als ranghöchster Amtsträger am Ort, unterrichtet brieflich die französischen Königin von der soeben erfolgreich überstandenen Belagerung der Stadt Carcassonne.

"... Madame, hiermit soll Euer Exzellenz kundgetan werden, daß der selbsternannte Vicomte und seine Komplizen am Montag, dem 17. September 1240, mit der Belagerung der Stadt Carcassonne begannen.
Sie begannen, eine Mine unter der Barbakane der Porte Narbonnaise zu graben, darob und als wir den Lärm ihres unterirdischen Tuns vernahmen, wir einen Gegenstollen machten; und in der Barbakane schichteten wir eine große und starke Mauer auf aus Steinen, also daß wir die ganze Hälfte der Barbakane schützen möchten; und dann steckten sie an, was sie gemacht, und zwar solcherart, daß, als das Holz verbrannt war, der vordere Teil der Barbakane zum Teil einstürzte.
Auch begannen sie eine Mine gegen einen anderen Zwingerturm; wir trieben einen Gegenstollen, und es gelang uns, uns in den Besitz der Kammer zu setzen, die sie ausgegraben hatten. Darob begannen sie einen Stollen zwischen uns und eine bestimmte Mauer zu treiben und sie zerstörten zwei Zinnen des Zwingers; wir errichteten aber eine gute Schanze aus starken Pfählen zwischen ihnen und uns ...
Wisset auch, Madame, daß sie seit Beginn der Belagerung nicht abgelassen haben, uns zu bestürmen; wir hatten aber so gute Armbrüste, und die Männer waren von so starkem Mut zur Verteidigung beseelt, daß sie die schwersten Verluste bei ihren Sturmangriffen erlitten ...
Wir jedoch waren, dem Herrn sei Dank, wohlversehen, um Eure Hilfe, Madame, zu erwarten; weder Mann noch Weib mangelte es an Vorräten, mochten sie noch so arm sein; nein, vielmehr waren wir, Madame, reichlich mit Korn und Fleisch versehen, so daß wir, wofern solches vonnöten gewesen wäre, gar lange Zeit hätten aushalten und Eure Hilfe erwarten können. Wisset, Madame, daß diese Missetäter am zweiten Tage nach ihrer Ankunft dreiunddreißig Priester und andere Geweihte des Herrn töteten, die sie antrafen, als sie in den Burgus [Vorstadtsiedlung] einzogen ...
In allen anderen Dingen ... werden wir, Madame, Euch darüber die Wahrheit vermelden, wenn wir vor euch stehen."


Zitiert nach Siemoneit, 1983, S.30f.
Nachweis im Literaturverzeichnis

Das Leben auf der Burg

Um 1500.
Der Humanist - und Burgherr - Ulrich von Hutten beschreibt in einem Brief seinem Freund Willibald Pirkheimer das tägliche Leben auf der Ritterburg.

"... von engen Mauern umschlossen, eingeengt durch Viehställe, Waffenschuppen, Pulverkammern und Geschützstände; alles voller Pech, Schwefel und Kriegsgerät. Überall im Hause riecht es nach Pulver, Vieh und Hunden und deren Exkrementen. Ein fortwährendes Kommen und Gehen von Bewaffneten, oft der zweifelhaftesten Sorte, von Bauern, die bei ihrem Herrn Hilfe suchen oder zur Arbeit auf den kümmerlichen Äckern am Burgberg bestellt sind, den ganzen Tag über Lärm und Geschrei. Schafe blöken, Rinder brüllen, Hunde bellen und es ist nichts Seltenes, daß man des Nachts in den benachbarten Wäldern die Wölfe heulen hört ..."


Zitiert nach Siemoneit, 1983, S.37.
Nachweis im Literaturverzeichnis

Einsichten eines Ritters

Vor 1445.
Der Ritter Oswald von Wolkenstein, fahrender Sänger und Dichter, inzwischen wieder auf seiner Burg ansässig, denkt laut über sein Leben nach. Ein Lied.

...
in Ratzes vor dem Schlern,
da sitz ich fest, im Ehestand,
da mehre ich mein Mißvergnügen
höchst verdrossen,
auf einem Felsklotz, rund und steil,
von dichtem Wald umschlossen.
...
Was mir an Ehrung ward zuteil
durch Fürsten, "manig" Königin
und was ich so an Schönem sah,
das büß ich ab in diesem Bau.
Mein Unheil hier -
es zieht sich lange hin!
Ich bräuchte sehr viel Mutterwitz:
muß täglich sorgen für das Brot!
Dazu werd ich noch oft bedroht.
Kein schönes Mädchen tröstet mich!
Die früher auf mich hörten,
sie lassen mich im Stich.
Wohin ich schau: es stößt der Blick
auf Schlacke teuren Schmucks.
Kein feiner Umgang mehr, stattdes:
nur Kälber, Geißen, Böcke, Rinder
und Bauerndeppen, häßlich, schwarz,
im Winter ganz verrotzt.
Macht froh wie Pansch-Wein, Wanzenbiß ...
In der Beklemmung hau ich oft
die Kinder in die Ecken.
Da kommt die Mutter angewetzt,
beginnt sogleich zu zetern.
...
Vor ihrem Zorne graust mir sehr,
ich spür ihn wahrlich oft genug,
scharf, mit Scheiten!
 
An Unterhaltung fehlt es nicht:
viel Eselschreien, Pfauenkreischen -
davon hab ich die Nase voll!
Mir tost der Bach mit Hurlahei
den Kopf entzwei -
er ist schon völlig wund!
...
Mein Landesfürst ist auf mich bös,
weil kleine Geister mich beneiden,
mein Dienst ist ihm nun unerwünscht:
das ärgert mich und schadet mir.
...
Drum bitte ich hier jedermann,
soweit er gut, vernünftig ist,
dazu die vielen hohen Fürsten,
die sich so gerne preisen lassen,
daß sie mich armen Wolkenstein
von Wölfen nicht zerreißen lassen,
hilflos ausgesetzt.


Textübertragung ins Hochdeutsche von Dieter Kühn. Zitiert nach Kühn, 1980, S.421ff.
Nachweis im Literaturverzeichnis

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Region Braunschweig  Ostfalen. Bildungs- und Informationsprogramm
Impressum
http://www.region-braunschweig.de/burgen/themen/texte.html, Stand: 3. November 2005