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Kurzfassung

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Der Landschaftsraum - Überblick

   

 

Auf dieser Seite:

Landschaft und NaturNach unten

Die StädteNach unten

Kulturgeschichte, ZeugnisseNach unten

Wirtschaft, VerkehrNach unten




Landschaft und Natur

 

Der Harz und die Lüneburger Heide, die in dieser Dokumentation am Rande mit behandelt werden, sind historisch gesehen recht arme Landschaften, die den siedelnden Menschen nur schwerlich eine Existenz boten, wenngleich auch aus unterschiedlichen Gründen. In der Südheide waren es die kargen Sandböden zwischen ausgedehnten Mooren, welche die möglichen Erträge des Ackerbaus einschränkten. Demgegenüber mußte der Oberharz noch siedlungsfeindlicher erscheinen, denn die hohen Niederschläge, Wind und Kälte ließen gar keinen Anbau von Feldfrüchten mehr zu; allein das hier entdeckte Silbererz bewirkte die Niederlassung von Menschen. In kultureller und wirtschaftlicher Hinsicht gebührt also der Zwischenzone, und dabei besonders der Börde, die größere Aufmerksamkeit.

Gebietskarte
Regionalbegriff

In der heutigen Wahrnehmung sind Harz und Heide touristische Aktivgebiete. Neben dem Naturerlebnis ist es wohl auch die landschaftliche Einheitlichkeit, die zu ihrer Attraktivität beiträgt: Wem stehen nicht Bilder der ausgedehnten Harzwälder vor Augen und auch die Heidelandschaft ist (heute) ein überaus waldreicher Landstrich, in dem die eigentliche Wacholderheide mit ihrer lilablühenden Calluna auf wenige Restinseln beschränkt ist (Bestände bereits bei Gifhorn).

Gebietskarte

Besitzt die Börde keinen Wald? Ja und Nein. Tatsächlich gibt es in der weiten Ebene zwischen Hildesheim und Braunschweig keine größeren Waldungen mehr, da der kostbare Boden in Ackerland umgewandelt ist. Hier werden die besten Böden Deutschlands kartiert. Urgrund ist der Löß, ein fruchtbarer Flugstaub, der sich in der Spätphase der letzten Eiszeit am Fuß der Mittelgebirge abgesetzt hat. Andererseits besitzt das nördliche Harzvorland aber ein gebietsweise recht ausgeprägtes Relief: Höhenzüge rahmen im Westen die Beckenlandschaften ein; nach Osten zu wird ihr Abstand voneinander größer, so daß eine Einrahmung für weite wellige Mulden entsteht. Die Höhenzüge und Höhenrücken tragen fast alle Wald, zumeist Buchenbestände auf Kalkgestein.

 

Dieser Abfolge von fruchtbaren Ebenen, Mulden und Becken mit einer mehr oder minder weitgespannten Einfassung durch bewaldete Höhenrücken verdankt die ostfälische Landschaft ihren typischen Charakter. Entsprechend vielfältig ist die Naturausstattung im einzelnen. Um nur einiges zu nennen: Außer den erwähnten Buchenwäldern die Eichenbestände in den flacheren Lagen und trockene Hangwälder in den steilen Bergzügen, ferner zu nennen die sehr artenreichen Kalkmagerrasen, vereinzelt auch Orchideenwiesen, Niedermoore und Salzsümpfe, wobei die letzteren einen Hinweis auf die Entstehungsgeschichte des Hügellandes geben. Neben die beiden Nationalparke im Harz tritt im Kernbereich unserer Landschaft der Naturpark Elm-Lappwald, ferner eine große Zahl an einzelnen Schutzgebieten.

 

Gewiß, die Geographen gliedern die naturräumlichen Einheiten noch weitergehend. - Wichtiger scheint hier ein Hinweis auf die klimatische Differenzierung, die sich innerhalb der Region von (Nord-)West nach (Süd-)Ost entfaltet: die Niederschläge nehmen zwischen Braunschweig (620 mm/a) und Quedlinburg (500 mm/a) kontinuierlich ab; dort erreicht man die Ausläufer des mitteldeutschen Trockengebietes mit kontinentaler Klimatönung. Auf dem Brockenmassiv mit dem höchsten Harzgipfel (1142 m) fällt rund dreimal soviel Niederschlag, zur Freude der Wintersportler zeitweise auch als Schnee. Schmilzt dieser im Frühjahr, schwellen die Flüsse an. Innerste und Ilse, Holtemme und Bode tragen dann einen Gruß vom Gebirge ins Vorland, die Oker gar bis in die Südheide.


 


Die Städte

 

Das über rund 1000 Jahre gewachsene Siedlungsbild, die Verteilung von ländlichen Siedlungen und die Entwicklung der kleineren und größeren Städte, bildet das historische Grundmuster in der fruchtbaren und wohlhabenden Landschaft. Allerdings mit zwei bedeutenden Ausnahmen: die Städte Salzgitter und Wolfsburg, deren Geschichte im eigentlichen Sinne erst 1937 bzw. 1938 beginnt. Gleichsam auf grüner Wiese errichteten die Nationalsozialisten zwei gigantische Industriekomplexe, die nach dem 2. Weltkrieg zu Großstädten mit mehr als 100.000 Einwohnern heranwuchsen. Auf diese Weise entstand eine verstädterte Zone, die im Kern Salzgitter und das direkt angrenzende Braunschweig (250.000 E) umfaßt. Auch die alte Residenzstadt Wolfenbüttel (heute 50.000 E) ist hinzuzurechnen.

Gebietskarte

Die älteren Städte besitzen eine Tradition, die zum Teil bis in das 9. Jahrhundert zurückreicht. Hildesheim und Halberstadt entwickelten sich als Bischofssitze, Quedlinburg und Gandersheim durch ihre Reichsstifte, Goslar durch das Silbererz und die Rolle als kaiserliche Pfalz, Braunschweig als Metropole Herzog Heinrichs des Löwen (+ 1195). Man erkennt hier jeweils eine frühe Zentralität für Verwaltung und Handel, die zu dauerhafterem Wohlstand führte.

 

Das Städtemuster des Spätmittelalters ist kleinteiliger angelegt, auch Orte wie Einbeck, Helmstedt und Wernigerode erlangten im Hansebund einiges Gewicht. Mit Abstand wichtigste Stadt aber blieb das sich unabhängig gebende Braunschweig.

 

Die Nähe von Braunschweig und Wolfenbüttel, lediglich 12 Kilometer voneinander entfernt, durchbricht das übliche Raumschema der Verteilung von größeren und kleineren Orten: während hier die Bürger ihre Freiheit betonten (bis 1671), versuchten dort die welfischen Fürsten ihre Residenz zu stärken, die durchaus eine Konkurrenz bilden sollte. Von 1753 bis 1946 ist Braunschweig dann auch Regierungssitz und somit politischer und wirtschaftlicher Mittelpunkt eines selbständigen deutschen Staates.

 

Geschlossene historische Stadtbilder sind oft in den kleineren Städten erhalten, da diese von den Luftangriffen des 2. Weltkrieges weitgehend verschont blieben. In diesem Sinne wären als lohnende Besuchsziele das winzige Hornburg, Osterwieck, Osterode und Einbeck, sowie die kulturgeschichtlich besonders hervorzuhebenden Städte Goslar und Quedlinburg zu nennen. Die Liste ließe sich noch beträchtlich erweitern.


 


Kulturgeschichte, Zeugnisse

 

Um es gleich vorweg zu sagen: die Region Braunscheig / Ostfalen gehört zu den kulturgeschichtlich reichsten Landschaften in Deutschland. Dies findet auch seinen Ausdruck darin, daß die UNESCO-Kommission gleich drei Orte in unserem Gebiet zum Weltkulturerbe erklärt hat: Hildesheim (Dom und St.Michael), Goslar (Bergwerk und Altstadt) sowie Quedlinburg (gesamte Altstadt, mit Burgberg).

Gebietskarte


Wenn man nach den Voraussetzungen einer ausgeprägten kulturellen und künstlerischen Tradition fragt, gelangt man zu zwei unterschiedlich gelagerten Feststellungen: entweder liegt ein breiter, langandauernder Wohlstand zugrunde oder es konzentriert sich enormer Reichtum in den Händen einzelner. Bei uns durchdringen sich zeitweise beide Wirkungsformen.

 

Grundlage des historischen Wohlstandes sind zweifellos die fruchtbaren Böden der Lößzone, und zwar seit über 7.000 Jahren: im hiesigen Gebiet läßt sich die erste Ackerbauernkultur Mitteleuropas feststellen (Zeugnisse im Archäologie-Museum Wolfenbüttel). Auch im Verlauf des Mittelalters und der Neuzeit speist sich von daher das Einkommen eines relativ gut situierten Bauernstandes, aber eben auch der geistlichen und weltlichen Herrn, die den Überschuß zum Bau von Burgen und Schlössern, für Kirchen und Klöster nutzten. Der Reichtum der Städte wuchs noch aus anderem Grunde, nämlich durch Gewerbefleiß und Handelsverbindungen.

Dokumentation: Burgen


Eine auch international gesehen bedeutende Konzentration von Macht und Einfluß läßt sich bereits unter der hier beheimateten Ottonendynastie erkennen, die das deutsch-römische Kaisertum begründete (Otto I., 962). Die Salier forcieren den Silberbergbau in Goslar, auch die Staufer sind dort noch präsent. Als Folge besitzen wir vor allem für die Stilepoche der Romanik Bauten und Einzelwerke in ungeheurer Fülle. Erinnert sei noch an Heinrich den Löwen und sein bronzenes Wahrzeichen in Braunschweig.

 

Gotik und Renaissance sind vor allem im Bereich der städtisch-bürgerlichen Kultur zu finden. Eine weitere Epoche mit der Konzentration von Reichtum in den Händen einzelner stellt die Barockzeit dar. Von der glanzvollen höfischen Tradition hat sich jedoch - durch verschiedenartige Zufälle - nur wenig erhalten; unter den herausragenden Zeugnissen wäre am ehesten die Bildergalerie des Herzogs Anton Ulrich zu nennen (Museum in Braunschweig). Die Werke des Historismus und des beginnenden Industriezeitalters sind in einem breiten Überlieferungsstrom vorhanden. Der Nationalsozialismus hat besonders im Städtebau seine Spuren hinterlassen. Die Zeugnisse der Moderne nach dem 2. Weltkrieg, insbesondere in der Baukunst, sind in Wolfsburg gut vertreten.

 

Überblickt man die letzten 1.000 Jahre, so entdeckt man in Bezug auf das Gesamtgebiet keine langandauernden Stagnationsphasen. Im Einzelfall kann dies natürlich ganz anders aussehen: die so reizvollen Stadtbilder von Hornburg oder Wolfenbüttel sind gleichsam konservierte Zustände einer Blütezeit, auf die ein weitgehender Bedeutungsverlust folgte.

 

Um noch einmal auf den Zufall zu kommen, der bei der Überlieferung oder auch bei der Wiederentdeckung von Zeugnissen eine Rolle spielt, so sei noch der Fund der "Schöninger Speere" erwähnt. Diese konnten vor kurzem direkt am Rande des Braunkohle-Tagebaues aufgrund glücklicher Umstände geborgen werden. Es handelt sich um die ältesten bekannten Jagdwaffen der Menschheit; sie sind vor etwa 400.000 Jahren in unserer Landschaft benutzt worden.


 

( Speere )



Wirtschaft, Verkehr

 

Ohne Zweifel bildet der Fahrzeugbau mit seinen rund 80.000 Beschäftigten in der Region das Schwergewicht. Mit besonderen Zukunftschancen versehen sind jedoch sehr viel kleinere Unternehmen als Volkswagen, MAN und Alstom. Und bei diesen neuen Unternehmungen läßt sich fast durchweg eine Nähe zu den üppig vorhandenen Forschungseinrichtungen und Bundesanstalten erkennen: es ist einerseits die Luft- und Raumfahrt, damit verbunden auch die Mikroelektronik, also im weiteren Sinne Physik und Technik. Andererseits die Biotechnologie und die ihr benachbarten Bereiche von Landwirtschaft bis zum Verbraucherschutz. In beiden Sektoren besitzt die Region Braunschweig eine nationale Bedeutung als Forschungsstandort.

 

Ein kleiner Blick zurück. Die wirtschaftliche Entwicklung unseres Raumes seit Beginn der Industrialisierung vor gut 150 Jahren war eng mit der blühenden Landwirtschaft verknüpft. Die entstehende Metall-Industrie fertigte Maschinen für die Bauern, bald Mühlenanlagen und ganze Zuckerfabriken, die schließlich in alle Welt exportiert wurden. Völlig neue Produktionsbereiche eröffneten sich, nachdem die Konservendose entwickelt war (Anfänge in Braunschweig und Seesen). Es enstanden nicht nur dutzende von Gemüseverarbeitungen, sondern auch Blechwaren- und Maschinenfabriken in ihrem Gefolge.

 

Zur selben Zeit erhielt der sehr viel ältere Harzer Bergbau neue Impulse bzw. verlagerte sich in das nördliche Vorland, wo nun statt der Silber- und Buntmetalle Kalisalze und Braunkohle gewonnen wurden. Bis heute prägt der (inzwischen beendete) Abbau von Eisenerzen im Raum Salzgitter / Peine die Standorte einer stahlerzeugenden Industrie (Salzgitter AG). Auch der nördliche Harzrand mit Goslar und Oker besaß - und besitzt - einiges industrielles Gewicht.

 

Braunschweig um 1900: das war eine gut entwickelte Industriestadt mit einer breiten Produktenpalette, zu der auch Optik (Voigtländer, später auch Rollei) und Nuklear-Chemie (Buchler) gehörte. Wenig später sollte der Fahrzeugbau hinzutreten (Büssing, heute zu MAN). Was fehlte, war lediglich ein größerer deutscher Handelsraum, wie ihn das benachbarte Preußen zu bieten hatte. - Die Kennzeichnung als Industriestadt galt auch noch oder wieder im Jahre 1950 und selbst noch 1970, als die ersten Anzeichen eines tiefgreifenden Strukturwandels sichtbar wurden. Was folgte, war ein krisenhafter Abbauprozeß ganzer Branchen (z.B. Foto/Optik).

 

Daneben hatten sich die Standorte innerhalb der Region verlagert: Die großen Produktionsstätten von Volkswagen lagen eben in Wolfsburg und im neuerbauten Werk in Salzgitter, wohin auch MAN/Büssing umsiedelte. Regional kennzeichnend blieb bis heute das starke Gewicht der Fahrzeugindustrie und ihrer Zulieferer, übrigens auch bei Schienenfahrzeugen (Alstom/LHB), sowie die Verkehrstechnik im weiteren Sinne (Siemens). Auf's Ganze betrachtet erfolgte jedoch ein allmählicher Wandel hin zu einer Dienstleistungsgesellschaft. In dieser kommt Unternehmen, die zwischen Herstellung, Entwicklung und Dienstleistung vermitteln, ein neuer Platz zu. Hier einzuordnen wären etwa die Software-Entwickler, die eine enge Verbindung zu den vorhandenen Unternehmen der Mikroelektronik oder den entsprechenden wissenschaftlichen Instituten halten.

 

Nennen wir abschließend noch zwei kleine, aber feine Sparten einer "neuen" Produktion: Naturstoff-Farben, auch aus regionalen Ressourcen (Auro) und die Herstellung von Solaranlagen (Solvis).

 

Unter verkehrsmäßigen Gesichtspunkten ist die Region Braunschweig / Ostfalen in jeder Hinsicht gut erschlossen. Ausreichende Autobahnen, Fernstraßen, Landstraßen, alle Arten von Bahnverbindungen, Mittellandkanal und weitere Wasserwege mitsamt der Häfen, Regional- und Forschungsflughafen Braunschweig (International Airport in Hannover). - Wir sagen damit nicht, daß jeder jederzeit damit zufrieden ist, aber meist fehlt es nur an intelligenten Verknüpfungen. Eine Aufgabe für die Zukunft.


 

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Region Braunschweig • Ostfalen. Bildungs- und Informationsprogramm
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http://www.region-braunschweig.de/gesamtraum2.html, Stand: 26. September 2003