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Die Burg als Überrest. Fragen der Überlieferung

Die Burg stellt ein Relikt der Vergangenheit dar. Sie bildet eine bauliche Form, die sich seit Jahrhunderten überlebt hat. Kein Mensch in Mitteleuropa braucht heute eine Burg; niemand würde auf die Idee kommen, sich einen Wehrbau als Wohnung auf einer Felsspitze zu errichten.



Angesichts der Tatsache, daß spätestens um 1650 die Burgen ihre eigentliche Funktion verloren hatten, muß man sich wundern, daß überhaupt noch solche Baulichkeiten in größerer Zahl erhalten sind.

In der Tat: Die meisten der mittelalterlichen Burgen sind nur noch in einem geringen Restbestand vorhanden oder lassen sich allein anhand von Wällen oder Grundmauern im Gelände nachweisen. Oft dienten sie als ein bequemer "Steinbruch" für die benachbarten Ortschaften. Gar nicht selten traten auch repäsentative Neubauten an ihre Stelle, so daß wir zwar die Burgstelle kennen, dort aber ein Herrenhaus oder einen Schloßbau vorfinden. Nennen wir noch den extremen Fall: Das vollständige Verschwinden einer alten Anlage, und zwar in einem solchen Maße, daß selbst die Kenntnis des Ortes verloren geht. Als Beispiel in unserem Gebiet ist die Pfalz Werla zu nennen, deren Lage erst durch archäologische Forschungen nachgewiesen wurde.

Werla

 

Komplizierter stellt sich die heutige Situation nach einem Um- und Ausbau der alten Anlage dar. In einigen wenigen Fällen trat an die Stelle der Burg eine modernere Festung, die auch dem Beschuß mit Kanonen trotzen konnte (Beispiel: Regenstein). Die andere Entwicklungslinie, die auf Wohnlichkeit und Repräsentation zielte, ist aber weitaus häufiger: Sehr oft besitzen die erhaltenen mittelalterlichen Burgen jüngere Baukörper aus der Renaissance- und Barockzeit, bei denen die Wehrfunktion stark oder vollständig zurücktritt. Damit entstand in oder neben der "alten Hülle" eine der jeweiligen Zeit entsprechende adlige Wohnform. Vom heutigen Standpunkt aus betrachtet ergibt sich das Problem, den mittelalterlichen Bestand zunächst einmal zu erkennen und dann eine gedankliche (oder zeichnerische) Rekonstruktion der ursprünglichen Anlage für einen definierten Zeitpunkt herzustellen.

Regenstein

Zu erwähnen bleibt noch eine dritte Variante der Überlieferung: die historisierende Rekonstruktion. Beginnend mit dem Zeitalter der Romantik setzte eine Hinwendung zu den mehr oder minder zerfallenen Zeugnissen der Ritterzeit ein. In der Folge wurden nicht wenige Burgen "wiederhergestellt". Dabei folgte die Rekonstruktion einem Idealbild, nicht unbedingt den originalen Befunden. Regelrecht als Neubauten entstanden pittoreske Anlagen, die von ihrer bildhaften Qualität überzeugen (Beispiel: Schloß Wernigerode). Als historische Quelle für das Mittelalter können sie jedoch nicht gelten; im Gegenteil, denn solche Burganlagen bewirken eine beträchtliche Verfälschung des Mittelalterbildes.

Wernigerode

 

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http://www.region-braunschweig.de/burgen/themen/ueberlieferung.html, Stand: 3. November 2005