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Kalk-Buchenwälder.
Anmerkungen

   

Die von uns vorgenommene Gruppierung bezieht den im weiten Sinne aufgefassten Kalk-Buchenwald auf die submontane Höhenstufe des Harzvorlandes. In der gewählten Bezeichnung wird deutlich, dass es hier um kalkbeeinflusste Wälder gehen soll (wobei wir die übliche Verkürzung von Rotbuche zu Buche eingesetzt haben). Kalkeinfluss bedarf eines entsprechende Ausgangssubstrates. Diese Bedingung trifft zu auf die Höhenrücken im Kernbereich unserer Region, in denen zumeist Kalkgesteine vorherrschen, während die tieferen Lagen sehr oft stärkere kalkarme Lösslehm- oder Geschiebedecken tragen (einzelne kleine Kuppen aus Festgestein bilden dort Ausnahmen). Die Höhenrücken besitzen ab der Höhenstufe 175/200 m NN fast stets geschlossene Wälder, zumeist Buchenwälder. Insofern ergibt sich hier oft und in ganz wesentlichen Aspekten eine Übereinstimmung zwischen den natürlicherweise zu erwartenden und den tatsächlich vorhandenen Waldbildern.

Um welche Wälder es sich handelt, wollen wir beispielhaft am Elm zeigen, dessen Waldkleid fast rundherum in einer Höhenlage von 200 m einsetzt und sich bis zum Gipfelpunkt bei 323 m üNN hinaufzieht. Die Ausdehnung des Elm beträgt 18 km in der Länge und bis zu 7,5 km in der Breite; Wiesenflächen nur im steil begrenzten Reitlingstal, beim Weiler Langeleben und in zwei winzigen Rodungsinseln.

An steilen, meist südwest-exponierten Hängen, die eine nur geringe Bodendecke über Kalkgestein aufweisen, treten kleinflächig die Trockenhang-Buchenwälder auf. Am weitesten verbreitet sind jedoch Standorte gemäßigter Neigung, die über dem Grundgestein eine nicht allzu starke Überdeckung aus Löss oder Geschiebelehm besitzen, wodurch der Kalk für Bäume noch erreichbar bleibt. Dort handelt es sich um den frischen Kalk-Buchenwald. Auf bestimmten Flächen treten sehr viel mächtigere Lehmdecken auf (Ostelm, Mulden, Talungen), wodurch die Kalkversorgung aus dem Gesteinsuntergrund weitgehend entfällt. Die Standortbedingungen werden als kalkarm, mäßig basenreich, dabei ausreichend feucht charakterisiert: hier stockt der Braunerde-Rotbuchenwald. Obwohl der Braunerde-Buchenwald im Elm nur Teilbezirke einnimmt, verdient er ein besonderes Interesse, weil dieser Waldtyp in seiner ärmeren Ausprägung möglicherweise die potentielle natürliche Vegetation der ebenen Lössbörden vorführt. Nur an ganz wenigen Stellen herrschen bodensaure Bedingungen (mit Hainsimsen-Buchenwald, Luzulo Fagetum), die wir als Extremstandorte vernachlässigen können. Hinzuweisen ist aber noch auf das quellnahe Bachtal der Wabe, wo wir einen gut ausgebildeten Erlen-Eschen-Waldsaum vorfinden. Damit sind die naturnahen Waldbestände genannt. - Starke Veränderungen beruhen auf waldfremden Nutzungen (Wiesenflächen und Steinbrüche, Weiler und Forsthäuser, touristische Einrichtungen), Überformungen ergeben sich aus der früheren und heutigen Waldbewirtschaftung.

In einer neueren Studie sind die hier zu behandelnden Waldtypen folgendermaßen bezeichnet (Zacharias 1996; in den Grundzügen ebenso bei Pott 1992): die Gesellschaft der Steilhanglagen als Carici Fagetum (Carex digitata = Finger-Segge), die gemäßigtere kalkgebundene Gesellschaft als Hordelymo Fagetum (Hordelymus europaeus = Wald-Haargerste), der Braunerde-Typ schließlich als Galio odorati Fagetum (Galium odoratum = Waldmeister), wobei jeweils noch Subassoziationen und Varianten unterschieden werden. Die pflanzensoziologische Gliederung wirft allerdings eine ganze Reihe von Fragen auf, was stets durch häufigere Umbenennung und Neugruppierung angezeigt wird. So werden in der älteren Literatur die beiden letztgenannten Waldtypen zusammengenommen meist als Melico Fagetum bezeichnet (Perlgras-Buchenwald; Melica uniflora = Einblütiges Perlgras). Die Probleme sind jedoch keineswegs gelöst. So ist zum Beispel der Waldmeister nicht nur in der nach ihm benannten Assoziation vertreten, sondern im Hordelymo Fagetum mindestens ebenso weit verbreitet.

Zwischen den oben genannten Assoziationen zeigen sich im Waldbild deutliche Unterschiede (nach Zacharias 1996). Im Carici Fagetum bleibt die Wuchsleistung der Rotbuche zurück; dieser Waldtyp bietet mehr Licht am Boden und begünstigt damit eine ganze Gruppe von Wald-Orchideen (Benennung auch als "Orchideen-Buchenwald"). Der typische und weit verbreitete Kalkbuchenwald im Elm (Hordelymo Fagetum) bietet nicht nur der Rotbuche hervorragende Wuchsbedingungen, auch Esche und Berg-Ahorn können nach Auflichtung schnell aufwachsen. In der Baumschicht finden sich auch gelegentlich der anspruchsvollere Feld-Ahorn und die Hainbuche. Die Krautschicht besitzt zumeist einen hohen Deckungsgrad (70-98%). Der Waldboden wird oft durch die Wald-Haargerste und das Perlgras geprägt. Im Frühjahr tritt eine reiche Ausstattung an Geophyten hervor: als charakteristisch gelten das Gelbe Windröschen und der Aronstab (Trennarten). Stellenweise tritt der Bärlauch stark hervor. Das Galio Fagetum lässt sich als floristisch ärmere Variante des typischen Kalk-Buchenwaldes auffassen, wobei die Bodenschicht in der Artenzahl deutlich zurückbleibt. Die anspruchsvolleren Arten fallen hier bereits aus. Auch der Bedeckungsgrad in der Krautschicht bleibt bei einem mittleren Wert, so dass häufiger die Laubstreu prägend hervortritt. Wie bereits angedeutet gibt es mit dem vorgenannten Typ zahlreiche gemeinsame Arten. Festzuhalten ist, dass die letztgenannte Waldgesellschaft als die potentielle natürliche Vegetation der niedersächsischen Lössbörde gesehen wird (oft wird auch der Übergangsbereich zwischen Galio Fagetum und dem noch nährstoffärmeren Luzulo Fagetum genannt).

Um noch einmal auf die Eigenart unserer Gruppierung zurückzukommen, speziell die Abgrenzung Kalk-Buchenwald gegen die "Laubwälder der gemäßigten Lagen" (siehe auch Anmerkungen dort): In dem von uns ausgesonderten submontanen, kalkbestimmten Wuchsbezirk stimmt zumeist die Hauptbaumart (Rotbuche) in tatsächlicher und potentieller natürlicher Vegetation überein; was für die tieferen Lagen zumeist nicht mehr gilt. Dort finden sich auf den Wuchsstandorten von Buchenwäldern sehr häufig Eichen-Hainbuchen-Bestände. Dieses Faktum ist von so grundsätzlicher Bedeutung, dass bereits damit eine eigenständige Behandlung gerechtfertigt ist. Im übrigen wird es fachlichen Laien ja auch kaum plausibel erscheinen, wenn ein vorhandener Eichen-Hainbuchbestand aufgrund der Analyse der Bodenflora Rotbuchenwald genannt wird; exakte Benennungen über den Terminus "Nutzungsform", der zugleich vorhandene und natürliche Vegetation anführt, ergibt im Effekt wahre Wortungetüme. Eine Gruppierung nach pflanzensoziologischen Gesichtspunkten scheidet demnach aus. Wie aber, anders als durch die Höhenstufe, wäre hier eine sinnvolle Grenze zu ziehen?

Selbstverständlich werden sich auch unterhalb der 175/200 m Grenze mehr oder minder große Waldstücke finden, die dem Bild des frischen Kalkbuchenwaldes entsprechen. Diese Unschärfe ist aber um der anderweitig erzielten Klarheit in Kauf zu nehmen.

Nicht recht gewürdigt sind bislang die bodensauren Hainsimsen-Buchenwälder (Luzulo Fagetum), die auch im Elm (über Kalk!) auf wenigen Sonderstandorten auftreten. - Auch im Harz finden sich Kalkstandorte, allerdings auf wenige Gebiete beschränkt; sie fallen aus der hier gewählten räumlichen Zuordnung "Harzvorland" heraus. Der Harz und seine Wälder sollen zu einem späteren Zeitpunkt dargestellt werden.


Literaturverzeichnis


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Region Braunschweig  Ostfalen. Bildungs- und Informationsprogramm
Impressum  
http://www.region-braunschweig.de/natur/biotope/gr-kalkbuchenwald-anm.html, Stand: 10. Juli 2003