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Laubwälder der gemäßigten Lagen.
Anmerkungen

   

Die selbstgesteckte Aufgabe umfasste zunächst nur die kennzeichnende Beschreibung der Waldstücke im Bereich der Braunschweig-Hildesheimer Börde, ggf. auch in ihren Randbereichen. Neben der Magdeburger Börde gilt der Landstrich westlich von Braunschweig als die "klassische" Bördelandschaft, nicht zuletzt daran abzulesen, dass hier einige der deutschen Musterstücke für die Ackerland-Bewertung liegen (Machtsum, 7 km nö. von Hildesheim).

Die damit verbundenen Probleme sind im einführenden Text im wesentlichen angesprochen. Erstens: Der Waldanteil in dieser hervorragenden Ackerlandschaft ist gering, die Waldstücke sind relativ klein. Zweitens: Diese Wälder sind in starker Weise kulturell überformt, was fast immer auch die Baumartenbesetzung betrifft. Drittens: Demzufolge müssen die ursprünglichen Waldbilder gedanklich rekonstruiert werden, wobei eine gewisse Unsicherheit bleibt. Als (aktuelles) Analyse-Instrument steht dabei nur die Bodenflora zur Verfügung, wobei die Zuordnung zu Waldgesellschaften im Analogschluss zu bestehenden, naturnäheren Wäldern vorgenommen wird.

Zu einer erste großräumigen Einschätzung, welche Waldbilder im Bördebereich zu erwarten wären, verhelfen die Kartierungen der "Potentiellen natürlichen Vegetation". Der älteren Auffassung muss allerdings entschieden widersprochen werden. Diese wird noch in der Übersichtskarte von Pott 1992 dargestellt (Abb.2, S.36-37; Textdarstellung abweichend S.378-382): Die nördlich des Harzes gelegene Börde ist auf der Karte dem Verband Carpinion zugeordnet, also Hainbuchen-Wälder (im westlichen Teil Galio Carpinetum, im östlichen Melampyro / Carici pilosae Carpinetum). Inzwischen ist jedoch hinreichend klar, dass die zu beobachtende Hainbuchen-Verbreitung weithin auf kulturellen Faktoren beruht. Es handelt sich - zumindest im niedersächsischen Bereich der Börde und des Lösshügellandes - stets um mögliche Rotbuchen-Standorte und es besteht kaum ein Zweifel, dass diese Baumart die entsprechenden Waldgesellschaften beherrschen würde (Erörterung zur wirtschaftsbedingten Verschiebung der Baumarten-Zusammensetzung bei Ellenberg 1996, bes. S.256-258; der standortgemäße feuchte Eichen-Hainbuchen-Wald gehört bei uns in die Gruppe Sumpf- und Feuchtwälder; ein Beispiel für sehr trockene Sonderstandorte in der Gruppe Trockenwarmer Hangwald).

Für den östlichen Teil der Region Braunschweig / Ostfalen liegt eine aktuelle Darstellung im Maßstab 1:200.000 vor (LUSA 2000). Die subozeanisch beeinflusste Bördezone wird dort dem "Typischen Waldmeister-Buchenwald" zugeordnet, der nach Südosten in einen Linden-Buchenwald übergeht (Umgebung von Halberstadt). Östlich der Linie Quedlinburg - Oschersleben - Haldensleben, unter kontinentaler Klimatönung, wird großflächig ein Traubeneichen-Hainbuchenwald angegeben.

Die Problematik solcher Darstellungen braucht hier nicht im einzelnen erörtert zu werden. Jedoch soll auf zwei Aspekte besonders hingewiesen werden. Erstens: Es bleibt eine frappierende Differenz zwischen den tatsächlich vorhandenen Wäldern in der Lösszone, d.h. ihrem geringen Flächenanteil, und den großräumig flächigen Kartensignaturen. Für den Bereich der Börde müsste man hier schon fast von einer suggestiven Täuschung sprechen. Anders herum betrachtet wird daran deutlich, wie gering die Analysebasis tatsächlich ist. Zweitens: Selbst die Kartendarstellung im Maßstab 1:200.000 steht in der Gefahr, sich auf eine Boden-Klima-Karte zu reduzieren, da kleinräumige Differenzierungen nur bedingt erfasst werden können. Diese jedoch sind es, die bei einer Beschreibung konkreter Waldstücke im Vordergrund stehen müssen.

Die genaue Analyse der Wald-Bodenflora ist für den niedersächsischen Teil des nördlichen Harzvorlandes von Zacharias (1996) vorgenommen worden. Für unsere Ausgangsfrage nach dem Börde-Kernraum westlich von Braunschweig sind immerhin einige nutzbare Ergebnisse enthalten, obwohl die diesbezüglichen Fragen nicht den Hauptgegenstand der Arbeit darstellten. Als wesentliches Ergebnis allerdings bestätigte sich, dass viele der Eichen-Hainbuchen-Wälder tatsächlich als Nutzungsform von Rotbuchen-Wäldern anzusprechen sind. Die korrekten Bezeichnungen lauten dann etwa "Braunerde-Waldmeister-Eichen-Hainbuchen-Mittelwald", wobei die Bezeichnung als Mittelwald auf die Nutzungsform verweist, die zu der heutigen Baumartenbesetzung führte. Dies wird aber erst in der lateinischen Bezeichnung deutlicher: "Galium odoratum Carpinus betulus Mittelwald-Gesellschaft als Nutzungsform des Galio odorati Fagetum". Erst damit ist die Ursprungsgesellschaft direkt benannt; im Effekt ist aber ein wahres Wortungetüm entstanden.

Aber noch einmal etwas genauer zu den Bördewäldern in der Darstellung von Zacharias (1996). Zunächst lässt sich feststellen, dass die meisten Waldstücke doch in mehr oder minder großen Teilbereichen Kontakt zu den unterlagernden (Kalk-) Gesteinsschichten besitzen (vgl. Abb.1 und Tab.1, S.8-9). Von einem einheitlichen Wuchsbezirk auf stärkerer Lössdecke, wie ihn die kleinmaßstäblichen Karten der Potentiellen natürlichen Vegetation ausweisen, kann folglich nicht die Rede sein. Dies bestätigt sich im Blick auf die Zuordnung zu den ursprünglichen Rotbuchen-Waldgesellschaften. Dabei sind etwa im Klein Lafferder Holz, einem typischen Börde-Waldstück 15 km westlich von Braunschweig, der stärker kalkbeeinflusste Waldhaargerste-Rotbuchenwald (Hordelymo Fagetum) neben dem Braunerde-Waldmeister-Rotbuchenwald (Galio odorati Fagetum) zu nennen; im Einzelfall ist sogar in der Bördezone die noch ärmere Form des Bodensauren Hainsimsen-Rotbuchenwaldes (Luzulo Fagetum) als Ursprungsgesellschaft anzugeben, so im Denstorfer Holz (Zacharias 1996, Tab.10, Aufnahmen Nrr. 117, 119, 132, 137, 154, 158).

Bereits diese Befunde machen deutlich, warum wir in der Bezeichnung der hier in Rede stehenden Biotopgruppe keine einzelne Waldgesellschaft nennen. Aber es bleibt noch eines zu erklären, nämlich die Ausweitung über die eigentliche Bördezone hinaus, die in unserer Wortwahl der "gemäßigten Lagen" aufscheint. Es zeigt sich im Hinblick auf die Waldgesellschaften, dass die Lössgrenze keine so eindeutige Scheidelinie nach Norden darstellt, wie gemeinhin angenommen wird (deren Verlauf von West nach Ost etwa auf Höhe des Mittelland-Kanals, dann südlich von Peine auf einer Linie bis Vechelde, von dort folgend der Bundesstraße 1 bis Braunschweig und dann meist etwas südlich der B1 bis Helmstedt, und dann dieser Linie mit einzelnen Ausbuchtungen folgend weiter nach Osten). Neben einigen nördlich gelegenen Flottsandinseln (Sandlöss) treten auch weit vorgeschoben nach Norden noch (kalkhaltige) Gesteine an die Oberfläche. Als Beispiel nennen wir das Meerdorfer Holz innerhalb der Peiner Geest, selbst das von uns vorgestellte Ölper Holz (oberer Teil) kann dafür als Beleg dienen. Nordöstlich von Braunschweig, also ebenfalls außerhalb der Lösszone, wird diese Beeinflussung durch unterlagernde Gesteine zu einem gebietsweise bestimmenden Phänomen.

Natürlich ist nicht zu bestreiten, dass sich nach Norden zu die "ärmeren" Waldtypen häufen und flächenmäßig eine weitere Verbreitung zeigen (siehe Trockene Eichenwälder, Anmerkungen, insbessondere die dort angesprochenen Übergänge zum Eichen-Buchen-Wald bzw. dem Bodensauren Buchenwald). Aber mit einer einfachen Grenzziehung ist den tatsächlichen Gegebenheiten nicht beizukommen.

Unser Begriff der "gemäßigten Lagen" umfasst damit sowohl Faktoren wie absolute Höhenlage und Neigung (bis 175/200 m NN, eben bis leicht hügelig), als auch eine Aussage über die Nährstoffversorgung, die von mehr oder minder deutlichem Kalk- bzw. Baseneinfluss bis zu den im allgemeinen als mesophil bezeichneten Bedingungen reicht und diese einschließt. Großklimatisch soll der deutlich subkontinental geprägte südöstliche Teil der Region ausgeklammert bleiben (siehe oben, Wuchsbezirk des Traubeneichen-Hainbuchen-Waldes).

Abschließend noch zum Programm der Naturwaldreservate in Niedersachsen (grundlegend Lamprecht et al. 1974). Mit besonderem Gewinn für die hier angeschnittenen Fragen wäre die Entwicklung im Reservat am Rieseberg (nw. Königslutter) zu betrachten. Nach Augenschein verliert in dem Mischwald aus Eichen, Hainbuchen und Rotbuchen ganz sicher bereits die Eiche, vielleicht auch die Hainbuche an Konkurrenzkraft. Der theoretische Ansatz des gesamten Programmes kann in seiner Bedeutung gar nicht hoch genug eingeschätzt werden, da nach mehr als 200 Jahren intensiver Forstwirtschaft der Blick erstmals wieder auf die (möglichen) Naturwälder und ihre Ökosysteme gelenkt wurde. Umfassende Erkenntnisse sind jedoch allenfalls langfristig zu erwarten. Ob aber "ursprüngliche" Waldgesellschaften wiederentstehen, wird - leider - zunehmend fraglich. Die anthropogene Klimaveränderung, vor allem die milderen Winter, und gleichzeitig die allgemeine Eutrophierung (Nährstoffanreicherung) scheinen die bisher vorherrschenden Faktoren nachhaltig zu überlagern. Diese unerwartete Umformung lässt sich an ersten Anzeichen in der Bodenflora der Wälder ablesen.


Literaturverzeichnis


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Region Braunschweig  Ostfalen. Bildungs- und Informationsprogramm
Impressum  
http://www.region-braunschweig.de/natur/biotope/gr-laubwald-ms-anm.html, Stand: 10. Juli 2003