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Steppen-Magerrasen

 

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Der Begriff "Steppen-Magerrasen" weckt bei den meisten Menschen die Assoziation an prärieartige Grasländer, wie sie sich in Nordamerika oder in Süd-Russland finden. In der Verwendung auf die heimische Vegetation dürfen wir solche Vorstellungen jedoch nur bedingt zugrunde legen. Ein wesentlicher Unterschied besteht darin, dass steppenähnliche Grasländer bei uns stets an Höhenrücken, Kuppen und steilere Hänge gebunden sind. Mit der wissenschaftlichen Kennzeichnung als Steppen-Magerrasen, Steppenrasen oder auch Steppenheide soll für Mitteleuropa zunächst auf die Anwesenheit einiger südosteuropäischer Florenelemente hingewiesen werden. Daneben ist die Begriffsherkunft vor allem forschungsgeschichtlich zu verstehen.

In der Region Braunschweig / Ostfalen finden sich Steppenrasen nur in einem südöstlichen Sektor. In diesem Sinne können der Heeseberg und der Klotzberg, beide nördlich des Großen Bruches gelegen, als Vorposten gelten. Eine reichere Entfaltung finden die entsprechenden Pflanzengesellschaften bereits bei Quedlinburg. Als kennzeichnende Arten werden meist das Frühlings-Adonisröschen (Adonis vernalis) und das Federgras (Stipa capillata) genannt. Das hochstehende Federgras erinnert dann tatsächlich in einem gewissen Sinne an eine Steppenvegetation. - Da die größten Anteile der Steppenrasen durch ihre Nutzung als extensive Weide offen gehalten wurden, gilt für ihre Erhaltung das bei den Kalk-Magerrasen Gesagte.

Die regionale Verteilung der Steppen-Magerrasen zeichnet Linien der abnehmenden Niederschlagsmenge nach. Wenn in Braunschweig als langjähriges Jahresmittel noch 620 mm angegeben werden, so sinkt die Niederschlagssumme nach Südosten stetig. Quedlinburg empfängt weniger als 470 mm pro Jahr (Niederschlag: Jahreswerte). Im weiteren Sinne wird der Quedlinburger Raum bereits zum mitteldeutschen Trockengebiet gezählt.

Die Steppenrasen und ihnen verwandte Rasen-Gesellschaften auf sehr trockenen Standorten haben in forschungsgeschichtlicher Hinsicht eine besondere Rolle gespielt, weil man in ihnen zunächst einen von Natur aus waldfreien Vegetationsbestand sah. Diese Auffassung kann heute in der verallgemeinerten Form nicht mehr gelten. Die entscheidende Frage dabei ist, wo die natürliche Trockengrenze des Waldes in Mitteleuropa liegt.

In den südrussischen Steppen ist der Übergang vom Waldbestand zur Grasvegetation klimatisch bedingt. Neben beträchtlicher Winterkälte liegt der limitierende Faktor für den Baumbestand in den geringen Niederschlägen. Aus Untersuchungen ist inzwischen bekannt, dass die Wald-Trockengrenze etwa bei 400 mm Niederschlag pro Jahr erreicht ist. Diese Grenze wird in Mitteleuropa aber nur in einem kleinen Gebiet zwischen Lutherstadt Eisleben und Halle unterschritten. Man kommt für die übrigen Standorte zu dem Ergebnis, dass von Natur aus nur dort keine Busch- oder Baumvegetation vorhanden wäre, wo eine Wasseraufnahme irgendwie behindert ist. Solche Bedingungen können auftreten bei geringer oder schnell austrocknender Bodenkrume, großer Porosität oder Klüftigkeit des Untergrundes, an Steilhängen, auf Geröll oder anderem bewegten Material (dazu auch Waldland - Waldfreie Standorte).

Wichtig bleibt vor allem der Blick auf diejenigen Waldgesellschaften, die nahe der Trockengrenze zu finden sind: Eichen- oder Eichenmischwald, in dem die Rotbuche wegen des geringen Wasserangebotes nicht mehr vertreten ist. Dieser kümmerliche Wald ist besonders empfindlich. Wenige Eingriffe reichen unter Umständen aus, ihn unumkehrbar in einen Trockenrasen zu verwandeln. Mit Trockenrasen sind dann solche Formationen zu bezeichnen, die als Dauergesellschaft nicht einer natürlichen Rückumwandlung zum Wald unterliegen (im Gegensatz zu Halbtrockenrasen, wo nach Nutzungsaufgabe die Sukzession zum Wald zurückführt).

Der Rückblick auf frühere Klimaepochen zeigt, dass die steppenähnliche Vegetation vor etlichen Jahrtausenden ein weit größeres Areal beansprucht haben muss als heute; einige vereinzelte Artvorkommen sind kaum anders zu erklären. Auffällig bleibt auch, dass die Zuwanderung der ältesten Ackerbauern und Viehzüchter in Mitteleuropa zunächst die Gebiete erfasste, die auch heute noch größere Bestände von Steppenrasen besitzen (um 5.500 v. Chr.). Die Region Braunschweig / Ostfalen gehörte mit zu den bevorzugten Gebieten der frühen neolithischen Einwanderung.


[ Vergleich: Kalk-Magerrasen , Sand-Magerrasen ]


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Region Braunschweig  Ostfalen. Bildungs- und Informationsprogramm
Impressum  
http://www.region-braunschweig.de/natur/biotope/gr-steppenrasen.html, Stand: 1. Oktober 2005